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Diese Probleme macht die JIS-Belieferung beim Zulieferer

Auf einem Produktionslaufband werden verschiedene Karosserien mit Produktionsrobotern montiert.

Vieles, was man über JIS-Prozesse lesen kann, ist aus der Perspektive der Kunden geschrieben: Daher wird oft behauptet, dass JIS-Belieferung so ein effizientes Konzept ist, mit dem Lagerhaltung reduziert und Zeit und Geld gespart werden kann. Aus der Perspektive der Zulieferer sieht es allerdings anders aus. Ihnen wird diese Art der Belieferung oft von Kunden vorgegeben und sie müssen es umsetzen – mit allen Nachteilen. Deswegen beschäftigen wir uns in diesem Artikel im Detail mit den Problemen, die Zulieferer haben, wenn sie mit JIS-Belieferung starten oder bereits arbeiten.

Inhaltsverzeichnis

Hohe Anforderungen an Logistik und Lagerhaltung

Just in Sequence ist ein Logistikkonzept. Dementsprechend finden sich hier auch die grundlegendsten Herausforderungen: Im Gegensatz zu Just-in-Time, wobei Waren in der richtigen Menge zum richtigen Zeitpunkt geliefert werden müssen, müssen Zulieferer hier auch noch sicherstellen, dass die Waren in der richtigen Reihenfolge geliefert werden.

Das setzt sehr transparente und effiziente Logistikprozesse voraus. Egal ob beim Kommissionieren, beim Verpacken oder beim Warenausgang: Es muss sichergestellt sein, dass keine Fehler passieren und dass alles rechtzeitig zur Auslieferung zusammengestellt ist. Wird der Transport vom Kunden (oder von einer vom Kunden beauftragten Spedition) übernommen, hören Ihre Prozesse an Ihrer Beladungsrampe auf. Ansonsten müssen Sie zusätzlich sicherstellen, dass der Transport reibungslos funktioniert.

Zusammengefasst bedeutet das: Sie müssen an jedem Punkt des Prozesses ganz genau wissen, was wie und wann versendet wird. Mit Laufzetteln und umständlichen manuellen Prozessen kommen sie hier schnell an ihre Grenzen.

Dazu kommt: Je näher Ihr Unternehmen geographisch bei Ihrem Kunden liegt, desto weniger Zeit haben sie für die korrekte Ausführung ihrer Logistikprozesse. Denn dann erhalten Sie die genauen Lieferabrufe Ihrer Kunden nur sehr kurzfristig und müssen dann teilweise innerhalb weniger Stunden alles zum Versand bereit gemacht haben.

Kommen bei Ihnen noch Produktionsprozesse dazu, weitet sich die Herausforderung der transparenten Prozesse auch auf ihre interne Logistik aus. Bei der Produktionsversorgung und internen Warenbewegungen – auch zwischen verschiedenen Werken – müssen alle Materialien rechtzeitig bereitgestellt werden.

Anforderungen an Produktionsprozesse

Ihre Kunden fordern JIS-Belieferung gewöhnlich, weil sie in ihrem Unternehmen die Lagerhaltung und die Logistikprozesse möglichst reduzieren wollen. Das gilt besonders, wenn Sie besonders große Bauteile liefern oder wenn Ihre Waren eine große Produktvarianz aufweisen. In beiden Fällen wird sehr viel Lagerfläche benötigt.

Für Sie als Zulieferer ist die Situation natürlich ähnlich: Wenn sie besonders große Bauteile oder viele verschiedene Varianten produzieren, ist ein hoher Lagerbestand für Sie ebenfalls teuer. Viele Zulieferer, die mit JIS-Prozessen arbeiten, möchten deswegen auch ihre Lagerhaltung so weit wie möglich reduzieren. Wenn möglich wird aus diesem Grund auch in Sequenz produziert. Im Idealfall spricht man hier vom One Piece Flow. Das bedeutet, dass Sie exakt ein Bauteil in der richtigen Reihenfolge nacheinander fertigen.

Alle Herausforderungen, die wir oben schon für die Logistikprozesse beschrieben haben, gelten in diesem Fall auch für Ihre Produktion. Das bedeutet, dass die Produktionsprozesse analysiert und die Balance zwischen Losgrößenoptierung, Lagerhaltungskosten und Produktion in Sequenz gefunden werden muss. Das Ergebnis kann auch ein Mix sein oder die Aufsplittung des Prozesses in verschiedene Abschnitte.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Wenn Sie Teile lackieren, bedeutet jeder Farbwechsel für Sie Rüstzeiten, damit Ihre Anlagen auf die neue Farbe umgestellt werden können. Daher werden normalerweise mehrere Teile in einer Farbe lackiert, bevor auf eine neue Farbe umgestellt wird. Bei Sequenzproduktion kann es allerdings passieren, dass Sie bei nahezu jedem Teil einen Farbwechsel durchführen müssen. Hier kann es Sinn zum Beispiel Sinn machen, zwischen Highrunnern und Exoten zu unterscheiden und für bestimmte Varianten eine Einlagerung in Erwägung zu ziehen. Gleiches gilt für anderweitige Rüstzeiten von Maschinen. Eventuell benötigen Sie also für die Sequenzproduktion mehrere Produktionslinien, damit Sie trotz Rüstzeiten effizient produzieren können. Dazu kommt, dass für die Produktion in Sequenz auch die die Anforderungen an ihre Teileversorgung oder an ihre Intralogistik größer werden.

Flexibilitäts- und Anpassungsfähigkeit

Wie gehen Sie mit kurzfristigen Änderungen in ihrer Produktion um? Sind ihre Prozesse flexibel genug, um innerhalb von wenigen Stunden auf geänderte Bedingungen reagieren zu können? Der große Unterschied zu anderen Belieferungsprozessen ist bei JIS-Prozessen der Zeitdruck. Um Lieferabrufe bedienen zu können, die nur wenige Stunden vor der Auslieferung bei Ihnen eingehen, bleibt wenig Zeit für Problemlösung oder überhaupt eine Reaktion.  

Auch interne Änderungen haben darum größere Auswirkungen als üblich: Bei Materialänderungen oder wenn sie ihren Lieferanten wechseln, müssen Sie Ihre Prozesse (und sei es nur deren digitale Abbildung) anpassen. Wenn es Probleme mit der Teileversorgung gibt, können Sie eventuell nicht in Sequenz produzieren oder liefern. Ist ihre Lieferkette beziehungsweise Supply Chain nicht resilient, kann es notwendig sein, größere Bestände in ihrem Lager aufzubauen. Nur so können sie dann noch kurzfristig auf Probleme reagieren. Lieferung zu Ihnen oder zwischen ihren Werken müssen daher auch genauestens überwacht werden können, damit sie genug Zeitpuffer haben, um umzuplanen.

Kommunikation und Koordination mit dem Kunden

Wer in Sequenz liefern muss, weiß, dass das wichtigste Kriterium eine effiziente und transparente Kommunikation mit ihren Kunden ist. Digitale Lieferabrufe per EDI sind bei solchen Prozessen der Standard. Sie als Zulieferer müssen gewöhnlich sicherstellen, dass ihre Systeme darauf ausgerichtet sind, Lieferabrufe ihrer Kunden korrekt und zeitnah erhalten und verarbeiten zu können.

Kunden, die JIS-Belieferung von Ihnen erwarten, haben oft sehr genaue und komplexe Anforderungen dazu, wie die Kommunikation laufen muss, beispielsweise mit EDI-Guidelines, die Ihnen zur Verfügung gestellt werden. Selbst Materialnummern, die in den Systemen Ihrer Kunden anders geführt werden als in Ihren Systemen, können schon eine große Herausforderung darstellen.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Kommunikation zwischen Ihnen und Ihren Kunden ist die Systemverfügbarkeit. Da die Kommunikation ausschließlich digital abläuft, müssen Sie sicherstellen, dass Sie jederzeit in der Lage sind, Abrufe Ihrer Kunden zu erhalten. Wartungszeiträume oder andere sogenannte Downtimes müssen entsprechend im Voraus geplant werden. Für Ausfälle müssen Sie einen Notfallplan haben, damit Abrufe weiterhin erfüllt werden können.

IT-Integration und digitale Schnittstellen

Womit wir direkt bei Ihren IT-Systemen sind: vermutlich ist bereits klar geworden, dass Sie für die Planung, Steuerung und Durchführung aller JIS-Prozesse Software-Lösungen benötigen. Nur so stellen Sie sicher, dass Prozesse reibungslos und fehlerfrei ablaufen und Sie flexibel genug sind, auch auf Probleme reagieren zu können.

Das bedeutet, dass Sie als Zulieferer besondere Anforderungen an Ihre Produktions- beziehungsweise Logistiksysteme haben. Diese müssen in der Lage sein, JIS-Anforderungen lückenlos abzudecken. Viele Unternehmen arbeiten daher mit spezialisierter Software, die genau auf diese Anforderungen ausgerichtet ist.

Egal ob Sie JIS-Prozesse mit spezialisierter Software oder beispielsweise mit ihrem bestehenden ERP-System abbilden wollen, sie sollten in jedem Fall lückenlos in Ihre Unternehmensprozesse integriert sein. Die Integration in ihre bestehende Systemlandschaft ist daher von großer Bedeutung. 

 

Um auch hier auf Probleme vorbereitet zu sein – beispielsweise bei einer unerwarteten Downtime aufgrund eines Systemausfalls – sollten Sie sich frühzeitig mit Notfallszenarien auseinandersetzen. Eine Lösung kann hierbei ein Notsystem sein, das bei einem Ausfall ihrer IT-Systeme einspringt, um sicherzustellen, dass nicht nur Ihre JIS-Prozesse sondern auch die Kommunikation mit Ihren Kunden reibungslos funktioniert. Die Anforderungen an die Integrationsfähigkeit und Schnittstellen bei so einem Notsystem sind selbstverständlich ähnlich groß wie für ihr Standardsystem.

Qualitätsmanagement unter Druck

Selbst wenn Sie eine ausfallsichere IT-Landschaft, durchdachte Produktionsprozesse und eine reibungslose Logistik sichergestellt haben, können immer wieder Fehler gemacht werden. Alleine durch das manuelle Eingreifen von Menschen kann es passieren, dass die Qualität Ihrer Produkte nicht gut genug ist, ein falsches Teil verpackt wird, oder eine Lieferung sich verspätet.

Um solche Probleme zu verhindern, ist es bei JIS-Prozessen noch wichtiger als bei anderen Belieferungskonzepten, dass Sie in Ihrer Prozessgestaltung ein durchdachtes Qualitätsmanagement berücksichtigen. Das bedeutet, dass Sie bei der Sequenzproduktion die Teilequalität überwachen, dass Sie Extraprüfungen während der Kommissionierung oder der Zusammenstellung von Lieferungen einführen, und dass Sie am Warenausgang jede Lieferung noch ein zusätzliches Mal überprüfen.

Dieser Punkt ist umso wichtiger, da es nicht nur darum geht möglichst fehlerfrei zu liefern, sondern auch die Folgen einer Fehllieferung zu vermeiden. Gerade in der Automobilindustrie sind die Konsequenzen von fehlenden oder fehlerhaften Teilen vertraglich geregelt. Als Zulieferer müssen sie mit einer schlechten Lieferantenbewertung oder sogar Strafzahlungen rechnen. Der zusätzliche Aufwand an ihre Qualitätskontrollen lohnt sich daher oft.

Kostenkontrolle und Wirtschaftlichkeit

Wer sich bereit erklärt, Kunden in Sequenz zu beliefern, lässt sich den zusätzlichen Aufwand normalerweise bezahlen. Der Mehraufwand, den sie aufgrund der Investition in Systeme oder Ihre Prozessgestaltung haben, kann sich also rechnen. Allerdings ist auch das Risiko besonders hoch: Die schon erwähnten Fehllieferungen und damit verbundenen Strafzahlungen können ein ganzes Unternehmen wirtschaftlich bedrohen. Sie kennen sicher Berichte über stillstehende Bänder in der Automobilindustrie und die damit entstehenden Kosten. Kann ein Autohersteller nachweisen, dass ein Zulieferer verantwortlich ist, haftet der Zulieferer für diesen Ausfall.

Dieses Risiko erhöht die Anforderungen an die Logistik- und Produktionsprozesse immens. Oberste Prämisse ist die Lieferung in der richtigen Qualität und Reihenfolge, was es unverzichtbar macht zusätzliche Prozessschritte zur Qualitätssicherung mit aufzunehmen. Der initiale Kostenaufwand, wenn sie JIS-Prozesse in Ihrem Unternehmen erstmalig einführen, ist auch nicht zu unterschätzen.

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