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7 Gründe, warum VMI im SAP-Standard an seine Grenzen stößt

Blaue Kisten, die als Packmittel genutzt werden, lagern in einem Lager.

Inhaltsverzeichnis

Vendor Managed Inventory (VMI) ist für viele Zulieferer längst zum Standard in der Zusammenarbeit mit ihren Kunden geworden. Das Prinzip klingt zunächst einfach: Der Lieferant übernimmt die Verantwortung für die Bestandsüberwachung beim Kunden und sorgt dafür, dass vereinbarte Mindest- und Maximalmengen eingehalten oder bestimmte Belieferungszeiträume gewährleistet werden. Doch in der Praxis zeigt sich schnell, dass die Umsetzung von VMI-Prozessen im SAP-Standard erhebliche Herausforderungen mit sich bringt.

Was ist Vendor Managed Inventory?

Beim Vendor Managed Inventory übernimmt der Lieferant die Kontrolle über die Bestände seines Kunden. Der Kunde meldet regelmäßig – meist elektronisch – seine aktuellen Lagerbestände an den Zulieferer. Dieser wertet die Bestandsinformationen aus und entscheidet eigenverantwortlich über Zeitpunkt und Menge der nächsten Lieferung. Dabei muss er sich an vereinbarte Parameter halten: Mindest- und Höchstbestände dürfen nicht unter- oder überschritten werden, oder es sind bestimmte Lieferintervalle einzuhalten.

Was bedeutet VMI für den Zulieferer?

Für Zulieferer bedeutet VMI zunächst mehr Verantwortung, aber auch mehr Kontrolle. Sie können ihre Produktionsplanung und Logistik optimieren, da sie frühzeitig über den tatsächlichen Bedarf informiert sind. Gleichzeitig müssen sie jedoch in der Lage sein, die Bestandsdaten ihrer Kunden zu empfangen, zu verarbeiten und darauf basierend die richtigen Dispositiv- und Lieferentscheidungen zu treffen. Hier kommt SAP ins Spiel – doch der Standard stößt schnell an seine Grenzen.

Die 7 Grenzen des SAP-Standards bei VMI

1. Fehlende EDI-Infrastruktur

SAP liefert keine integrierte Lösung für die EDI-Kommunikation. Bevor Sie überhaupt mit VMI-Prozessen starten können, benötigen Sie einen EDI-Konverter, der die elektronischen Nachrichten Ihrer Kunden (meist DELFOR- oder DESADV-Nachrichten) empfangen und in ein SAP-kompatibles Format umwandeln kann. Diese Infrastruktur ist nicht Teil des SAP-Standards und muss separat beschafft und implementiert werden.

2. Individuelle Mapping-Anforderungen

Jeder Kunde hat seine eigenen Anforderungen an die Datenübertragung. Die Mappings zwischen EDI-Nachrichten und SAP-Strukturen müssen für jeden Kunden individuell konfiguriert werden. Der SAP-Standard bietet hier nur rudimentäre Funktionen, die in der Praxis fast immer angepasst werden müssen, um die verschiedenen Kundenformate korrekt zu verarbeiten.

3. Eingeschränkte Unterstützung für Lieferpläne

Während VMI im SAP-Standard grundsätzlich mit Bestellungen funktioniert, ist die Unterstützung für Lieferpläne deutlich komplexer. Viele VMI-Szenarien basieren jedoch auf Lieferplanabrufen, bei denen der Kunde Bedarfsprognosen übermittelt. Die standardmäßige Verarbeitung dieser Szenarien in SAP ist begrenzt und erfordert oft umfangreiche Anpassungen.

4. Fehlende automatisierte Dispositionslogik

Der SAP-Standard bietet keine ausgefeilte Logik zur automatischen Disposition basierend auf VMI-Parametern. Die Überwachung von Mindest- und Maximalbeständen sowie die Berechnung optimaler Liefermengen und -zeitpunkte müssen oft manuell oder durch Eigenentwicklungen realisiert werden. Für Zulieferer mit vielen VMI-Kunden wird dies schnell unübersichtlich und fehleranfällig.

5. Mangelnde Transparenz und Reporting

Standardmäßig fehlen im SAP-System übersichtliche Dashboards und Auswertungen für VMI-Prozesse. Zulieferer benötigen jedoch klare Übersichten über alle VMI-Kunden, deren aktuelle Bestandssituationen, anstehende Lieferungen und mögliche Unterdeckungen. Diese Transparenz muss meist durch zusätzliche Entwicklungen geschaffen werden.

6. Komplexe Konsignationsprozesse

Viele VMI-Vereinbarungen sind mit Konsignationslager-Modellen verbunden, bei denen die Ware erst beim Verbrauch in Rechnung gestellt wird. Die Abbildung dieser Prozesse im SAP-Standard ist möglich, aber komplex und erfordert detaillierte Kenntnisse der SAP-Logik. Fehlerhafte Konfigurationen können zu erheblichen Problemen in der Abrechnung führen.

7. Skalierbarkeit bei mehreren Kunden

Wenn Sie VMI mit mehreren Kunden praktizieren, potenzieren sich die Herausforderungen. Jeder Kunde hat unterschiedliche Anforderungen, verschiedene EDI-Formate und individuelle Vereinbarungen. Der SAP-Standard bietet keine effiziente Möglichkeit, diese Vielfalt zentral zu verwalten und zu standardisieren.

  • Die Buchhaltung exportiert alle betroffenen Belege bzw. Daten aus dem System und speichert sie zum Beispiel als Exceltabelle ab.

    Alternativ kann dem logistischen Fachbereich ein Zugriff auf die offenen Posten eingerichtet werden.

  • Die Daten werden an die zuständigen Abteilungen übermittelt (zum Beispiel Vertrieb oder Disponenten).

  • Die Kollegen sorgen für eine Klärung der jeweiligen Abweichung.

  • Anschließend müssen die betroffenen Belege storniert / korrigiert und eventuell deren Daten angepasst werden.

Was tun, wenn der Standard nicht ausreicht?

Wenn Sie feststellen, dass der SAP-Standard Ihre VMI-Anforderungen nicht abdeckt, stehen Ihnen grundsätzlich zwei Wege offen: Eigenentwicklung oder der Einsatz eines spezialisierten Add-ons.

  • Sie müssen die eingehenden Gutschriftsavisen überwachen, um die Abweichungen möglichst schnell überprüfen zu können.

  • Erst dann können Sie die notwendigen Korrekturen und Buchungen durchführen.

  • Je häufiger Sie manuell eingreifen müssen, desto häufiger passieren dabei auch Fehler, die Sie nur mit erneuten Korrekturen ausgleichen können.

Eigenentwicklung: Der steinige Weg

Eine Eigenentwicklung bietet maximale Flexibilität – theoretisch. In der Praxis bedeutet sie jedoch hohe Initialkosten, lange Projektlaufzeiten und vor allem einen erheblichen Wartungsaufwand. Bei jedem SAP-Update müssen Ihre Anpassungen geprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Zudem fehlt häufig das spezifische Know-how für VMI-Best-Practices, sodass Prozesse suboptimal abgebildet werden.

Add-on: Die smarte Alternative

Ein spezialisiertes VMI-Add-on bietet die deutlich effizientere Lösung. Solche Lösungen sind speziell für VMI-Prozesse entwickelt worden und bringen bereits bewährte Funktionen mit: automatisierte Dispositionslogik, übersichtliche Dashboards, flexible Parametrierung für verschiedene Kunden und erprobte EDI-Schnittstellen. Die Implementierung ist deutlich schneller, die Kosten kalkulierbarer und die Wartung wird vom Anbieter übernommen. Zudem profitieren Sie von kontinuierlichen Updates und Weiterentwicklungen, die auf den Erfahrungen vieler Anwender basieren.
Ein Add-on bietet außerdem den Vorteil, dass es sich nahtlos in Ihre bestehende SAP-Landschaft integriert, ohne die Standardprozesse zu gefährden. Bei SAP-Updates bleiben Sie kompatibel, und Sie können von neuen Funktionen profitieren, ohne selbst entwickeln zu müssen.

Leitfaden: Externe Belieferung: VMI, EDL & Co. in SAP abbilden

VMI, Konsignation und Streckengeschäft sind heute Standard in der Automobilzulieferung – doch die operative Komplexität dahinter wird oft unterschätzt. Dieses Whitepaper zeigt, wie Zulieferer diese Prozesse in SAP beherrschbar machen: von der Prozesslogik über typische Stolpersteine bis zur durchgängigen IT-Integration.

FAZIT

VMI im SAP-Standard umzusetzen ist möglich, stößt aber schnell an praktische Grenzen. Von fehlender EDI-Infrastruktur über eingeschränkte Dispositionslogik bis hin zu mangelnder Skalierbarkeit – die Herausforderungen sind vielfältig. Für Zulieferer, die VMI professionell und effizient betreiben wollen, führt daher kaum ein Weg an einer spezialisierten Lösung vorbei. Dabei ist ein Add-on in den meisten Fällen die wirtschaftlichere und zukunftssicherere Alternative zur Eigenentwicklung. So können Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren, während die VMI-Prozesse zuverlässig im Hintergrund laufen.

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