Eine Person regelt mit die Abläufe im Lager mit einem Tablet.

Traceability: Vollständige Rückverfolgung in der Produktion

Für die Produktion von Lebens- und Futtermitteln ist Traceability seit dem Jahr 2005 gesetzlich bindend. Aber auch in anderen Branchen fordern Kunden mittlerweile die lückenlose Dokumentation von Komponenten, Fertigungsschritten und Prozessen.

1. Definition: Traceability

Der deutsche Begriff "Rückverfolgbarkeit" ist die Übersetzung des englischen Terminus "Traceability". Unter Traceability wird die Fähigkeit verstanden, eine lückenlose Rückverfolgung der Produktionsabläufe zu erfassen. Das Zusammenspiel der jeweiligen Produktionsprozesse wird dafür detailliert aufgezeichnet.

Die Rückverfolgbarkeit ist in der ISO-Norm 9001 definiert. Fertigungsunternehmen, Lieferanten, Zwischenhändler, Lieferketten aus Logistik und Transport sowie der Handel als Partner des Kunden werden lückenlos dokumentiert. Selbst Entsorgung, Verwertung und Recycling lassen sich in einer Nachweiskette abbilden.

Der englische Begriff "Track & Trace", auch als "Tracing" bezeichnet, spielt bei der Verfolgung einer Ware über die sich abbildende Logistikkette eine wichtige Rolle. Dabei unterscheidet man zwischen zwei etablierten Begriffen:

1.1 Downstream Tracing

Das "stromabwärts" gerichtete Downstream Tracing beschreibt den Weg der Waren vom Erzeuger zum Verbraucher. Dieser Rückverfolgungsweg ist insbesondere für Produkte mit Gewährleistung oder Garantie seitens des Herstellers oder des Handels von Bedeutung. Typische Beispiele finden sich in den Kategorien "Kraftfahrzeuge" und "Haushaltsgeräte". Kommt es zu Rückrufaktionen, leistet das Downstream Tracing eine wertvolle Hilfe.

1.2 Upstream Tracing

Als "stromaufwärts" projiziertes Upstream Tracing wird die Rückverfolgung der Waren vom Verbraucher zum Erzeuger bezeichnet. Der Klassiker für eine Upstream-Betrachtung findet sich in der Lebensmittelbranche. Eine entsprechende Verordnung der Europäischen Union regelt seit dem Jahr 2005 die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln im Sinne eines umfassenden Verbraucherschutzes.

Ein typisches Anwendungsbeispiel sind unerlaubte Schadstoffbelastungen. Mithilfe des Upstream Track & Trace können mögliche Schadstoff-Verursacher schnell benannt werden.

Die Traceability in der Produktion von Waren ist heute von existenzieller Bedeutung für Firmen des verarbeitenden Gewerbes. Ergeben sich Schwierigkeiten bezüglich der Produktqualität, so muss der Hersteller in der Lage sein, die Ursachen schnell zu ermitteln und zu beheben. Im Vergleich zu einer Rückrufaktion, wie sie z.B. in der Automobilbranche immer wieder vorkommt, bildet die Investition in eine ausgefeilte Traceability-Softwarelösung einen eher kleinen Kostenfaktor.

2. Rückverfolgungsprozess: Einführung von Identifizierungs- und Codierungssystemen

Traceability in der Produktion basiert auf der Einführung von Identifizierungs- und Codierungssystemen. Sie dient der eindeutigen Kennzeichnung von Produkten, Chargen und geografischen Herkunftsinformationen.

Folgende Kennzeichnungen kommen häufig zum Einsatz:

    • 1D oder 2D-Barcodes
    • RFID-Etiketten


Der Herstellungsprozess eines Produkts startet mit der Echtzeiterfassung der Produkt-ID. Diese wird gemeinsam mit Informationen über Arbeitsprozessstationen und Informationen zu geleisteter Arbeit in einer zentralen Datenbank abgespeichert. Über alle Komponenten und Arbeitsstationen ergibt sich auf diesem Weg eine individuelle Produkthistorie, ein Fingerabdruck, mit gesammelten Daten des gesamten Produktionswegs.

Sobald eine komplette Fertigungshistorie zu einem Produkt vorliegt, ist die Traceability in der Produktion gegeben. Alle Einzelschritte sind rückverfolgbar und können gezielt ausgewertet werden.

Charakteristisch für das Einsatz- und Wirkungskonzept von Traceability in der Produktion sind die folgenden Faktoren:

    • Durchgängige Produkthistorie von der Material-Anlieferung über die Verarbeitungsstationen bis zum Händler bzw. Kunden
    • Feststellung des Produktstatus
    • Erfassung und Identifikation jedes verwendeten Bauteils
    • Erfassung aller Assemblierungsstufen
    • Datensammlung im Sinne einer Produkthaftung
    • Datenbankgesteuerte Dokumentation aller Prüfungen und Prozessschritte
    • Verknüpfung mit ERP- (Enterprise Resource Planning), Manufacturing Execution- und Betriebsdatenerfassungs-Systemen
    • Durchgängige und problemorientierte Nachverfolgung


Der Wirkungsbereich eines modernen Traceability-Systems für die Produktion umfasst sowohl Produkt- als auch Prozessdaten. Diese Daten werden in einer zentralen Datenbank erfasst und können anhand von Software-Werkzeugen durch die Unternehmensleitung oder Mitarbeitern eingesehen werden.

Mithilfe von Track & Trace können jederzeit individuelle Analysen und Zustandsbeschreibungen erstellt oder Messwerte abgerufen werden. Dies ermöglicht signifikante Zeiteinsparungen bei Nachverfolgungen und Analysen. Im globalen Umfeld erhalten Mitarbeiter den weltweiten Zugriff auf alle Daten und Prozessinformationen über ein Onlineportal. Der Informationsaustausch mit ERP- und Product Lifecyle Management-Systemen erfolgt über Schnittstellen.

3. Die umfangreichen Vorteile von Traceability in der Produktion

Die Implementierung von Traceability integriert sämtliche für das Produkt und den Produktionsprozess relevanten Daten. Auf diesem Wege entsteht ein hohes Maß an Transparenz in der Produktion. Der digitale Datenbestand lässt sich gezielt für unternehmerische Entscheidungen nutzen. Jeder autorisierte Mitarbeiter im Produktionsprozess hat Zugriff auf die Software-Werkzeuge und Analysetools.

In Zeiten der Globalisierung von Fertigungs- und Logistikstrukturen ist ein gut funktionierendes Rückverfolgbarkeitssystem von enormer Bedeutung für ein prosperierendes Unternehmen. Im Fokus steht immer die Transparenz, beginnend bei den Rohstoffen über die Einzelteilfertigung bis hin zum verkaufsfähigen Endprodukt.

Traceability versetzt den Hersteller in die Lage, nachzuweisen, wann, wo und wie er seine Erzeugnisse hergestellt hat. So werden die Grundlagen für Produkthaftung und die Einhaltung vorgegebener Normen gelegt. Die Argumente für eine konsequente Rückverfolgbarkeit liegen für die Managementetage eines Unternehmens mit eigener Produktion auf der Hand:

    • Automatisiertes Erzeugen von Reportings und Produktionsberichten
    • Gezielte Steuerung von Rückrufen
    • Zeitnahe und effiziente Reklamationsbearbeitung
    • Zeit- und kostenbewusste Produktionsgestaltung
    • Fehlerreduzierung durch weitgehende Vermeidung von manuellen Eingaben
    • Vermeidung von Imageschäden für das eigene Unternehmen

Auch Versicherungen legen im Schadensfall und bei ihrer Schadensleistung großen Wert auf die Rückverfolgbarkeit von Daten aus der Produktion.

4. Die Bestandteile von Traceability

Die Einführung und Nutzung eines Traceability-Systems in der Produktion bietet Unternehmen vieler Branchen ein hohes Maß an Stabilität sowie Vorteile in der Weiterentwicklung und Imagebildung.

Zu den wesentlichen Aspekten zählen:

Compliance:
Wichtige Industriestaaten und Wirtschaftsblöcke wie die Europäische Union stellen hohe Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit von Produkten aus definierten Branchen. Ein Beispiel ist die EU-Richtlinie für die Lebensmittelproduktion. Auch die Pharma und chemische Industrie, Medizintechnik, Halbleiter- und Elektronik, Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie die Automobilindustrie setzen hohe Maßstäbe bezüglich der Rückverfolgbarkeit.

Einzelteilrückverfolgung:
Im Sinne der Produkthaftung wird jedes Einzelteil mit umfassend beschreibenden Informationen zum Fertigungsprozess versehen. Kundennormen können eingepflegt und berücksichtigt werden.

Ursachenanalyse:
Traceability erleichtert die Schwachstellenanalyse bereits im Vorfeld der Produkt-Auslieferung . Potenzielle Probleme können erkannt, isoliert und frühzeitig behoben werden. In der Praxis können dank Traceability beispielsweise fehlerhafte Auslieferungen verhindert werden.

Optimierung von Fertigungsprozessen:
Anhand von Traceability lassen sich Fertigungsprozesse besser kontrollieren. Denn die Nachverfolgbarkeit eines Fertigungsprozesses erhöht die Transparenz, Schwachpunkte können erkannt und Verbesserungen gezielt angestoßen werden .

Eindämmen und Vermeiden von Produktfehlern:
Rückverfolgbarkeit in der Produktion hilft bei der Vermeidung von Produktfehlern. So lassen sich wirtschaftliche Verluste und Imageschäden für das produzierende Unternehmen vermeiden.

Globalisierung der Wirtschaft:
Internationale und interkontinentale Verflechtungen sind charakteristisch für die fortschreitende Globalisierung. Traceability ist ein wirkungsvolles Werkzeug bei der Implementierung und dem Betrieb globaler Liefer-, Produktions- und Vertriebsketten. Sie entfaltet ihre Wirksamkeit bei der internen wie auch der externen Rückverfolgbarkeit.

Kosten- und Terminwettbewerb:
Traceability in der Produktion bietet Unternehmen mit entsprechender Systemausstattung Vorteile im harten internationalen Kosten- und Terminwettbewerb aufgrund der erweiterten Kontrollmöglichkeiten.

5. Fazit

Traceability macht den Unterschied

Die Produktion und der Vertrieb von Produkten ohne verbindliche und akzeptierte Normen und Standards passen nicht mehr in die heutige Zeit. Zu groß wäre die Chance eines wirtschaftlichen Schadens, wenn sich beim Einsatz des gefertigten Produktes Probleme in der Anwendung oder Nutzung ergeben würden.

Deshalb müssen Hersteller die Traceability ihrer Prozessabläufe sowie die Einhaltung von Complianceauflagen jederzeit nachweisen können. Es wäre unternehmerisch fahrlässig, diese Möglichkeiten nicht zu nutzen. Mit einer leistungsfähigen Traceability-Software lässt sich die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Herstellungsprozessen, der Einsatz verwendeter Materialien und die Prozessbedingungen eindeutig belegen.

In Zeiten sich verschärfender Produkthaftungsgesetze ist Traceability in der Produktion ein essenzielles Software-Werkzeug. Insbesondere Qualitätsprobleme mit kostenintensiven Rückrufaktionen nehmen schädigenden Einfluss auf das Firmenimage und die Ertragssituation. Bei Schadenersatzklagen ist die Rechtslage zur Produkthaftung eindeutig: Dem Hersteller obliegt die Nachweispflicht - ein gutes Argument für Traceability in der Produktion!