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Losgröße 1

Inhalts­verzeichnis

Der Begriff Losgröße 1 beschreibt die Fertigung von kundenindividuellen Einzelstücken. Um dieses hohe Maß an Kundenorientierung und Flexibilität zu erreichen, muss die Produktion jedoch umfassend angepasst werden. Vor allen Dingen kommt es auf den Einsatz moderner Produktions- und Informationstechnologien an.

Was ist Losgröße 1?

Der Begriff Losgröße 1 bezeichnet die Herstellung von Einzelstücken durch Unternehmen, die im Rahmen der Serien- oder Massenfertigung in der Regel größere Stückzahlen produzieren. Hintergrund ist das wachsende Kundenbedürfnis, Produkte individuell konfigurieren und gestalten zu können. Das klassische Beispiel stellt die Automobilindustrie dar, bei welcher ein Fahrzeug aus beliebigen Segmenten individuell konfiguriert und bestellt werden kann. Um Losgröße 1 wirtschaftlich umzusetzen, müssen jedoch mehrere Anforderungen im Hinblick auf IT, Organisation, Fertigungsverfahren und Prozessmanagement erfüllt sein. 

Welche Losgrößen gibt es?

Der Begriff Losgröße bezeichnet grundsätzlich die Menge von Produkten, welche direkt hintereinander ohne Unterbrechung der Fertigung hergestellt werden. Traditionell sind Industrieunternehmen bestrebt, die optimale Losgröße zu bestimmen und zu produzieren. Diese ist immer die Produktionsmenge, bei welcher das Verhältnis von Kosten und Nutzen am besten ausfällt. Sie liegt in aller Regel bei einem Wert größer 1, da die Umrüstung von Anlagen und Maschinen stets Kosten und Zeitaufwände verursacht.

Lange Zeit war es das Ziel der Losgrößenplanung große Lose herzustellen, die Produktvarianten gering zu halten und individualisierte Produkte weitestgehend zu vermeiden. Hierzu wurde die ideale Produktionsmenge unter Berücksichtigung folgender Prämissen ermittelt:

  • maximale Kapazitätsauslastung
  • minimale Durchlaufzeiten
  • minimale Rüst- und Produktionskosten

Zur Berechnung existieren verschiedene mathematische Modelle, darunter etwa das Wagner-Within-Verfahren und die Andlersche Losgrößenformel. Im Laufe der Jahre wuchs jedoch der internationale Wettbewerbsdruck. Für die deutsche Industrie ist es daher zunehmend von Bedeutung, personalisierbare Produkte anzubieten. Dies beginnt bei einem großen Variantenreichtum und reicht bis hin zur kundenindividuellen Sonderanfertigung in Gestalt der Losgröße 1. 

Welche Voraussetzungen müssen für Losgröße 1 erfüllt sein?

Damit Einzelstücke zu den Kosten einer Serienfertigung realisiert oder zumindest in einem wirtschaftlich vertretbaren Kostenrahmen hergestellt werden können, bedarf es zahlreicher Voraussetzungen. Neben produktionstechnischen, prozessualen und organisatorischen Aspekten, ist dabei vor allen Dingen eine konsequente digitale Transformation und Automatisierung der Fertigung notwendig. Gleiches gilt für die vor- und nachgelagerten Prozesse entlang der Supply Chain. Um Digital Manufacturing zu realisieren, müssen eine Reihe von Technologien implementiert und sinnvoll miteinander kombiniert werden.

Zu nennen sind vor allen Dingen Folgende:

  • Das ERP-System: Einlasten von Kundenaufträgen, Materialbeschaffung und -bereitstellung, Planung der Ressourcen, Steuerung der Lieferkette
  • Das Product-Lifecycle-Management (kurz PLM) System zur nahtlosen Integration sämtlicher Informationen, die im Verlauf des Lebenszyklus eines Produktes anfallen über alle IT und OT Strukturen hinweg.
  • Das PPS-System: (automatisierte) Planung der Produktion
  • Manufacturing Execution System (MES): operative Echtzeitplanung- und Steuerung, Entgegennahme von Rückmeldungen (Betriebs- und Maschinendaten)
  • Industrielles Internet of Things (IIoT): Vernetzung der Fertigungsmaschinen und Produkte mit übergeordneten Steuerungs- und Überwachungssystemen
  • Die Robotik: Für flexiblere und schnellere Produktion
  • Moderne Fertigungsverfahren mit hoher Flexibilität (z. B. additive Fertigung)
  • Automatisierte Logistiksysteme
  • Big-Data-Technologien: Für die umgehende Verarbeitung großer Datenmengen aus Topfloor und Shopfloor
  • Künstliche Intelligenz: Vorhersage von Nachfrage- und Liefersituationen, Prognosen zur Auslastung
  • Produktkonfiguratoren für Kunden


Im Kontext von Industrie 4.0 entstehen aus dem Zusammenspiel dieser Technologien Schritt für Schritt hochgradig digitale und automatisierte Produktionsumgebungen. In der Endausbaustufe werden diese auch Smart Factory genannt. Für diese Fabrik der Zukunft wird es keine besondere Herausforderung mehr darstellen, Losgröße 1 auf wirtschaftliche Weise zu realisieren. 

Anwendungsbeispiel für Losgröße 1

Nehmen wir an, ein Unternehmen stellt elektronische Bauteile für die Weiterverarbeitung in der Elektrogeräteindustrie her. In jüngerer Vergangenheit erhält es immer mehr Kundenanfragen für individuelle Produkte. Der Vertrieb möchte diesen Kundenwunsch dringend erfüllen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Daher werden folgende Maßnahmen umgesetzt, um Losgröße 1 zu realisieren:

  1. Vernetzung mit Kunden und Lieferanten, eine kundenindividuelle Bestellung erfolgt
  2. ERP-Software generiert auf Basis der Kundenbestellung automatisch einen individuellen Produktionsauftrag
  3. Benötigte Bauteile (Stücklisten) werden automatisch berechnet, im Lager abgerufen oder bei Bedarf eingekauft
  4. Die Produktionskapazitäten werden automatisch reserviert und terminiert
  5. Die Produktion wird automatisch gestartet, die Anlagen nehmen notwendige Umrüstungen eigenständig vor
  6. Die notwendigen Komponenten werden durch autonome Logistiksysteme bereitgestellt
  7. Die Komponenten erhalten RFID-Chips, um sie zu lokalisieren und den Produktionsprozess zu automatisieren
  8. Abgeschlossene Prozessschritte werden mithilfe von RFID und Maschinendaten an das ERP-System oder MES zurückgemeldet (Status ist jederzeit transparent)

 

Fazit

Die Losgröße 1 ist gleichbedeutend mit maximaler Kundenorientierung. Wer Kundenwünsche bestmöglich erfüllt, generiert eine stärkere Kundenbindung und folglich mehr Auftragsvolumen. Damit dies jedoch nicht zulasten der Wirtschaftlichkeit geht, sind umfassende Veränderungen in traditionellen Produktionsbetrieben erforderlich. Unternehmen sollten diesen Transformationsprozess schrittweise umsetzen, um ihre Fertigung flexibel zu halten und dabei wettbewerbsfähig zu bleiben. 

FAQ

Die wichtigsten Begriffe im Rahmen der Losgröße 1 erklären wir hier:

Eine Losgröße ist die Stückzahl eines Produkts, die ein Fertigungsunternehmen hintereinander (unterbrechungsfrei) herstellt.

Losgröße 1 ist die Herstellung von Einzelstücken bzw. Sonderanfertigungen durch Unternehmen, die der Massen- oder Serienfertigung angehören. Teils ist daher auch von Mass Customization die Rede. 

Die optimale Losgröße ist die Menge an Produkten, die direkt hintereinander hergestellt werden müssen, um die Kosten der Produktion minimal zu gestalten. 

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