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Just in Time (JIT) Produktion – Definition, Verfahren und Vorteile

Inhalts­verzeichnis

Ein Mitarbeiter zeigt anhand von farblich sortierten Smarties wie die Sequenzierung funktioniert.

Die Bezeichnung Just in Time bezeichnet eine Produktions- und Lieferstrategie, bei der Lieferanten die richtigen Produkte in der korrekten Anzahl zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort ausliefern. Der englische Begriff kann demzufolge als pünktlich oder auch termingerecht übersetzt werden.

Definition: Just in Time (JIT)

Die bedarfssynchrone Lieferung findet besonders im Bereich der Massenproduktion und Serienproduktion Anwendung, beispielsweise bei Automobilherstellern. Dort werden Lieferungen gezielt auf Produktionsabläufe abgestimmt und halten so die Lagerkosten gering. Die Lieferungen erfolgen direkt an das Montagewerk oder an Verteilzentren die in dessen Nähe liegen, um flexible und kurze Lieferzeiten garantieren zu können. So kann der Beschaffungsprozess deutlich erleichtert werden, da die interne Logistik durch den externen Lieferanten und Dienstleister entlastet wird.

Entstehung von Just in Time

Das Just-in-Time-Konzept wurde erstmals von einem japanischen Automobilhersteller in den 1950er-Jahren eingesetzt, um wirtschaftlicher arbeiten zu können und Überproduktionen und Einlagerungen zu minimieren. Die Bezeichnung „Just in Time“ erhielt das Konzept jedoch erst im Nachhinein, als man feststellte, dass das Konzept durch seine Effizienz die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens in Krisenzeiten gesichert hatte. Das führte dazu, dass Außenstehende auf das besondere Organisations- und Steuerungskonzept aufmerksam wurden und anschließend anfingen es selbst zu implementieren. 

Just in Time und Just in Sequence im Vergleich

Im Zusammenhang mit dem Just-in-Time-Konzept wird oftmals auch das Just-in-Sequence-Verfahren genannt. Beide Methoden sind sich nicht nur in ihrer Namensgebung ähnlich, sondern stammen auch aus denselben Bereichen, nämlich der Produktions- und Beschaffungslogistik.

Just in Sequence, oder auch JIS, ist eine Erweiterung des Just-in-Time-Konzepts. Bei diesem Verfahren werden Waren nicht nur Just in time, sondern zusätzlich auch in der Reihenfolge geliefert, in der sie in der Produktion verarbeitet werden sollen. Die Belieferung findet also produktionssynchron statt. Dadurch werden Sortierprozesse vor Ort vermieden und somit Zeit und Kapazitäten gespart. Außerdem besteht ein kleinerer Bedarf an Bereitstellungsfläche, welche normalerweise für die Sortierung benötigt wird.

Das Just-in-Time-Verfahren ist im Vergleich zur Just-in-Sequence-Methode für eine größere Bandbreite an Produktionsfirmen umsetzbar. Das liegt daran, dass es durch die geringeren Anforderungen in der Praxis einfacher anzuwenden ist.

Einsatzvoraussetzungen von Just in Time

Für den Einsatz des Just-in-Time-Konzepts bedarf es diverser Voraussetzungen, um einen stetigen Produktionsfluss garantieren zu können. Zunächst muss eine reibungslose Kommunikation zwischen der Produktion und dem Zulieferer sichergestellt werden. Die Basis hierfür bildet ein Produktionsplanungssystem, das den Austausch mit dem Lieferanten ermöglicht, entweder direkt oder über eine Schnittstelle.

Darüber hinaus sollten sich Unternehmen gezielt mit den folgenden Bereichen auseinandersetzen:

  • Prozessoptimierung
    Gibt es eine effiziente interne Kommunikationsstruktur und eine angemessene technische Infrastruktur? Sind benötigte Produktionsmaterialien verfügbar?
  • Qualitätssicherung
    Ist eine prozessübergreifende Qualitätssicherung möglich? Inwiefern lassen sich Probleme oder Mängel ohne große Unterbrechungen beheben?
  • Konstante Auslastung
    Existiert eine kontinuierliche Auslastung der Produktionsprozesse oder bestehen Schwankungen je nach Jahreszeit und Saison?
  • Lieferanten
    Bieten sich qualifizierte Lieferanten mit ausreichend Kapazitäten an, welche die Produktionsstätte Just in Time beliefern könnte?
  • Dispositionsverfahren
    Ist eine zentrale Dispositionssteuerung auf Nachfrage umsetzbar?

Anwendungsbereiche von Just in Time

Die Just-in-Time-Produktion eignet sich insbesondere für Unternehmen mit Massen- und Serienfertigung wie beispielsweise Automobil- oder Flugzeugproduzenten. Die benötigten Einzelteile variieren in diesen Bereichen häufig, weswegen die Lagerung vor Ort sehr umfangreich wäre. Das folgende Beispiel aus der Automobilbranche zeigt, inwiefern Produzenten von Just in Time profitieren.

Just-in-Time-Beispiel aus der Automobilbranche

Wird ein bestimmtes Automodell produziert, kann die jeweilige Ausführung stark variieren. Mit oder ohne Sitzheizung, unterschiedliche Farbausführung, technische Ausrüstung – diese Eigenschaften werden innerhalb eines Modells meist individuell an die Kundenwünsche angepasst. Um eine reibungslose Produktion zu ermöglichen, bedarf es deswegen an vielen unterschiedlichen Einzelteilen, die termingerecht bereitstehen müssen.

Diese Waren, z.B. Sitzheizung und Navigationssystem, werden für den jeweiligen Produktionsstandort mit einer gewissen Vorlaufzeit bestellt. Anschließend kümmert sich der Lieferant um die Beschaffung der Teile, deren Prüfung sowie die Ein- und Umlagerung. Der Automobilhersteller hat aufgrund eines EDI gestützten Datenaustauschs dabei ständig Zugriff auf den aktuellen Status der Bestellungen.

Der Lieferant ist zuständig für die Zustellung betreffender Waren zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge an den richtigen Standort. Beispielsweise werden innerhalb einer Woche in der gleichen Produktionsstätte Autos mit verschiedenen Ausführungen produziert. Dafür wird am Montag die Sitzheizung geliefert, sodass diese in den Folgetagen in den Fahrzeugen montiert werden kann. Am Mittwoch erfolgt die Lieferung mit Navigationssystemen, um diese ab Donnerstag zu verbauen.

Vor- und Nachteile des Just-in-Time-Verfahrens

Vorteile

Die Einführung von Just in Time verfolgt insbesondere wirtschaftliche Ziele. Unternehmen profitieren dabei unter anderem von:

  • Reduzierung von Lager- und Personalkosten
    Da die interne Lagerhaltung bei Just in Time überfällig ist, entfallen in diesen Bereichen immense Kosten. Es können sowohl physische Lagerstätten als auch Arbeitskräfte im Kontext der Lagerlogistik eingespart werden.
  • Steigerung der Produktivität
    Die Gesamtdurchlaufzeit eines Endproduktes in der Produktion wird effizient minimiert. Zudem wird Überproduktion verhindert und Umrüstzeiten können reduziert werden, da alle Prozesse termingerecht aufeinander abgestimmt sind.
  • Reduzierung von Transportkosten
    Es findet keine Zwischenlagerung statt, dadurch entfallen Aufwände für den Transport.
  • Steigerung der Liquidität
    Durch die Einsparung der Lagerkosten entfällt eine hohe Kapitalbindung. Zudem erfolgt die Beschaffung erst nach eingegangener Bestellung. Dies wirkt sich positiv auf die Liquidität und Flexibilität des Betriebs aus.

 

Um von diesen Vorteilen profitieren zu können, müssen die zuvor genannten Voraussetzungen erfüllt sein.

Nachteile

Trotzdem der großen Potentiale birgt Just in Time auch Problematiken, die berücksichtigt werden sollten. Dazu gehören:

  • Starke Abhängigkeit vom Lieferanten, da keine eigenen Lagerbestände vorhanden sind
  • Intensiver Datenaustausch wird benötigt, damit Produzent und Lieferant stets einen synchronen Blick auf laufende Bestellungen, aktuelle Transporte und vorhandene Bestände haben
  • Bei Lieferausfällen gibt es keine Lagerbestände zur Überbrückung und Aufrechterhaltung der Produktion
  • Ausnahmezustände wie beispielsweise Naturkatastrophen oder Unfälle können zu einem Produktionsstillstand führen

 

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich das Just-in-Time-Konzept insbesondere im Bereich der Massen- und Serienproduktion etabliert hat. Unternehmen können dadurch die Produktionsprozesse umfassend optimieren und Lagerbestände und Durchlaufzeiten stark reduzieren. Um von dem Verfahren zu profitieren, bedarf es jedoch einer aktuellen technischen Infrastruktur sowie einer hervorragenden Kommunikation zwischen Unternehmen und externem Lieferanten.

FAQ

Die wichtigsten Begriffe im Rahmen der Just-in-Time-Produktion erklären wir hier:

Just in Time ist ein dezentrales Organisations- und Steuerungskonzept, das in der Logistik und Produktion Anwendung findet. Dabei werden Güter zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Anzahl an den richtigen Ort geliefert, um Lagerbestände zu vermeiden und Produktionsflüsse zu optimieren.

Das Just-in-Time-Konzept verkürzt nachhaltig Durchlaufzeiten, sorgt so für weniger Kapitalbindung in Form von Lagerbeständen und führt langfristig zu einer Kostenreduzierung. Jedoch besteht eine hohe Abhängigkeit von Lieferanten und resilienten Transportwegen, da keine internen Lagerbestände existieren, um mögliche Lieferausfälle zu überbrücken. Eine gute Kommunikation ist deswegen essenziell.

Durch das Just-in-Time-Verfahren wird das richtige Produkt in der richtigen Menge zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort geliefert. Just in Sequence ergänzt dieses Konzept zusätzlich um die Anlieferung in einer spezifischen Reihenfolge. So können diese in der Produktion ohne Sortierprozesse weiterverarbeitet werden. Das Just-in-Sequence-Verfahren ist also eine erweiterte Form von Just in Time und garantiert eine produktionssynchrone Belieferung.

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